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Das Bergsträßer Jazz-Festival ist eine bekannte Marke geworden

Interview mit dem Künstlerischen Leiter, Professor Dr. Bruno Weis

 

 

Begonnen hatte alles im Jubiläumsjahr des Bergsträßer Anzeigers (BA), der führenden Tageszeitung im Landkreis Bergstraße mit Verlagssitz in Bensheim. Zu seinem 175. Geburtstag bescherte der BA sich und seinen Lesern das 1. Bergsträßer Jazz-Festival. Die Veranstaltungsreihe, mit der die Zeitung 2007 quer durch ihr Verbreitungsgebiet tourte, erwies sich auf Anhieb als Volltreffer.

 

Seit 2008 steht das Bergsträßer Jazz-Festival auf noch professionelleren Füßen. Als Kooperationspartner sitzen seitdem – neben der Stadt Bensheim und dem hier erscheinenden Bergsträßer Anzeiger - der kommunale Energieversorger GGEW AG und die Sparkasse Bensheim mit im Boot. Ihr Motto: Gemeinsam stark für die Region!

 

Mit dem Jazz-Festival hat die kulturelle Szene an der Mittleren Bergstraße einen weiteren Leuchtturm erhalten. Dafür steht vor allem Professor Dr. Bruno Weis mit seinem Namen. Der Gründer und Chef der weit über die Region hinaus bekannten Original Blütenweg Jazzer fungiert im dritten Jahr als künstlerischer Leiter. BA-Chefredakteur Karl-Heinz Schlitt befragte ihn zu seinen Motiven und Ambitionen für das Bergsträßer Jazz-Festival.

Prof. Dr. Bruno Weis
Herr Professor Weis, was hat Sie bewogen, zusammen mit den drei Sponsoren und der Stadt Bensheim, die wertvolle Hand- und Spanndienste leistet, das Festival auf die Beine zu stellen?

 

Prof. Weis: Die Idee habe ich schon lange mit mir herumgetragen. Schließlich ist, Jazz zu machen und zu veranstalten, ein packender und bereichernder Teil meines Lebens. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich beim Bergsträßer Anzeiger, bei der GGEW AG, der Sparkasse und bei der Stadt Bensheim für mein Konzept offene Ohren vorgefunden habe. Von Anfang hat die tolle Resonanz des Publikums bestätigt, was ich nicht anders erwartet habe: Es gibt ein großes Interesse für eine solche Veranstaltungsreihe.

 

Obwohl die „Konkurrenz“ vor der Haustür riesig ist.

 

Prof. Weis: In der Tat: Wir leben in einer stark Jazz-affinen Region – mit Heidelberg, Darmstadt mit seinem Jazz-Institut sowie Frankfurt und Mannheim als in der Szene etablierten Zentren mit vielen Aushängeschildern. Ich nenne nur Albert Mangelsdorff oder die Big-Band des Hessischen Rundfunks. Neben vielen professionellen haben wir noch mehr semi-professionelle Bands, die sich einen hervorragenden Ruf erworben haben. Und: Wir haben schöne Spielstätten – gerade hier bei uns.

 

Dort setzen Sie ganz bewusst auf die populäre Schiene.

 

Prof. Weis: Ja, weil das zum Ambiente passt und vom Publikum geschätzt und angenommen wird. Mir geht es darum, die Jazzmusik zu den Menschen zu bringen, und zwar den alten, traditionellen Jazz: von der Big-Band – ideal platziert auf dem Benediktinerplatz vor dem Weltkulturerbe Kloster Lorsch – bis zu unserem ganztägigen Kompaktprogramm „Von 10 bis Zehn“ vor dem Bürgerwehrbrunnen in Bensheim. Dort bieten wir das ganze Spektrum vom Gospel über Dixieland, Swing bis Bebop - und mit einer Marching-Band als Farbtupfer und Ohrwurm im Stadtbild. Den Jahresabschluss bildet am zweiten Weihnachtsfeiertag ein festlicher Gospelabend im Parktheater Bensheim, das bei den ersten beiden Malen bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

 

Für die Freiluftveranstaltungen wird kein Eintritt erhoben.

 

Prof. Weis: Richtig. Hier ist es unser Ziel, viele Menschen zu erreichen und damit die Innenstädte zusätzlich zu beleben. Das ist uns bisher in hervorragender Weise gelungen.

 

Wie man hört, wollen Sie in Zukunft auch den einen oder anderen großen Namen präsentieren.

 

Prof. Weis: Ja, ich denke da an ein Sonderkonzert, das auch überregional wahrgenommen wird. Ein idealer Anlass dafür bietet sich im nächsten Frühjahr im Rahmen der Festwoche zu „25 Jahre Eysoldtring“ in Bensheim. Mit der Verleihung dieses bundesweit bekanntesten Theaterpreises ist die Stadt in allen bedeutenden Feuilletons vertreten.

 

Ihr Konzept ist eindeutig darauf ausgerichtet, dass es nicht nur Insider anspricht.

 

Prof. Weis: Ja, das ist unser Anspruch und unser Ziel. Wir präsentieren Jazz, der von einem breiten Publikum gerne gehört wird – handgemacht, ohne Elektronik und ohne laute Verstärker. Diese Plattform wollen wir in Zukunft nutzen, um auch dem Nachwuchs ein Forum zu geben – zum Beispiel im Rahmen eines Wettbewerbs.

 

Das Bedürfnis nach populärem Jazz zu bedienen und künstlerisch ambitionierte Auftritte müssen sich nicht ausschließen.

 

Prof. Weis: Nein, das sind zwei Seiten einer Medaille. 2009 etwa hatten wir einen amerikanischen Weltklasse-Banjospieler, der als Solist den „Liebestraum“ von Liszt inszeniert hat. Überhaupt liegt mir die Verbindung zur klassischen Musik am Herzen. Ich habe selbst das klassische Klavierspiel gelernt – wie viele Bandmitglieder in der Jazzszene. Es geht mir darum, unsere wunderbare Region mit ihren kulturellen, architektonischen und historischen Wurzeln mit anspruchsvoller und gleichzeitig ins Ohr gehender Jazzmusik zu bereichern.

 

Dabei setzen Sie ganz bewusst auch aufs Lokalkolorit.

 

Prof. Weis: Die Mischung macht’s. Lokale Bands, die ihr Publikum haben und sich hier präsentieren wollen, gehören genauso dazu wie der eine oder andere „Knaller“ von auswärts. 2009 war dies die Woodhouse Jazzband aus Mülheim an der Ruhr. In diesem Jahr sind es die Allotria-Jazzband aus München als eine der profiliertesten Musikgruppen des klassischen Swing-Stils in Europa oder die Legenden Charly Antolini am Schlagzeug und Gustl Mayer an der Klarinette bzw. am Tenorsaxophon.

 

Auch dank solcher Ausnahmekönner ist das Bergsträßer Jazz-Festival innerhalb kürzester Zeit zu einem Markenartikel geworden.

 

Prof. Weis: Ich merke das auch an den Bewerbungen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mehrere Anfragen für ein Engagement habe.

 

Beweis dafür, dass die Richtung stimmt.

 

Prof. Weis: Trotzdem kann ich mir – jetzt, wo die Basis geschaffen ist - künftig auch mal das eine oder andere experimentelle Angebot vorstellen. Schließlich gab es früher in Bensheim einmal eine sehr lebendige Jazzszene, die leider eingeschlafen war, jetzt aber wieder an Fahrt gewinnt. Deshalb freut es mich auch, dass die Zusammenarbeit mit Reinhold Schmitt und seinen Jazzfreunden immer besser klappt. Wenn es nach mir geht, würden wir beide Veranstaltungsreihen unter dem Dach des Bergsträßer Jazz-Festivals zusammenführen – outdoor und indoor. Das Potenzial dafür ist vorhanden.